Archiv für die Kategorie „Gedichte“
Der Griechen Götter…
…wurden laut gepriesen,
Ägyptens Götzen grub man aus dem Staub.
Man wühlt und wühlt in Romas Marmorfließen
Um zu entringen der Vernichtung Raub,
Was tausende von Jahren eingeschachtet. -
Germanengötter blieben unbeachtet.
Vergessen und allein in kühler Grotte
Weilt Saga, von Erinnerung genährt,
Die ihr zurückruft, wie sie einst dem Gotte
In gold’ner Schale Weisheitstrank gewährt,
Und ihm erzählte von den Urweltstagen.
Vor Odin lag die Wahrheit aufgeschlagen.
Zu Sagas Füßen rauscht ein Strom vorüber,
Des’ schwell’nde Flut das Schöpfungsreich durchfließt,
Der Strom der Zeit! der heller oder trüber
Doch unaufhaltsam seine Wasser gießt
In’s Meer der Ewigkeit. – Den Strom begleiten
Das Weltgeschick, die Weltbegebenheiten. – -
Lang klagte Saga, doch von ihrem Throne
Erhob sie sich, mit den Asen neu vereint.
Auf ihrem Haupt strahlt der Götter Krone,
Klar sind die Augen, die im Schmerz geweint.
Von Neuem lasset ihre Sagen klingen,
Asenruhm und Götterzeit besingen.
(Agnes Kayser-Langerhannß (1825 – 1902), aus: “Odin”, 1881)
Einkehr
Ahnen hoben betend Hände,
Wende du dich innenwärts;
Gott und Welt hältst du umschlossen
Und die Wahrheit wohnt in dir!
Tief am Grunde deiner Seele,
Die ein Meer ist, unermeßlichm
Und ein Brunnen unerschöpflich,
Liegt das goldne Götterland.
Dorten quillt dein’s Lebens Quelle,
Dort, zu dritt, die stillen Nornen
Deines Lebens Faden führen,
Streng verknüpfend Blutes Bande.
Kniee nicht vor heil’gen Büchern,
Suche Gott in Tempeln nicht,
Deiner Ahnen göttlich Wissen,
Sieh, es spricht zutiefst aus dir!
Kehre ein in weiten Wäldern,
Wo die grüne Stille wohnt,
Wirst ein ewig’ Bild erkennen,
Das als große Mutter thront!
(Hildulf R. Flurschütz)
Wittekind
Ich will den Gott nicht, der den Frieden gibt,
ich will den Gott nicht, der in Mauern wohnt,
ich will den Gott nicht, der unsichtbar thront,
ich will den Gott nicht, der das Recht verschiebt.Ich will den Gott nicht, der die Demut lohnt,
ich will den Gott nicht, der den Sklaven liebt,
denn ich bin Herr, vor meiner Faust zerstiebt
alles, was seine falsche Milde schont!
Ich will den Gott im grünen Eichenkleid,
ich will den Gott, der dumpf im Donner schreit,
ich will den Gott, der lichten Lenz mir bürgt,
und will den Eisgott, der die Sonne würgt,
ich will den Gott, der Blitzes Peitsche schwingt,
der meines heil’gen Waldes Sturmlied singt.
(Robert Hohlbaum)









